logbuch ab 08/2019

mittwoch, 21. aug. 2019

augsburg. die mauersprünge/farbschichten vorläufig abgeschlossen. mehrmals jetzt an der uni cafeteria, die sich als wahre goldgrube erweist: an der metallenen nato-oliv-grünen wandverkeidung die tollsten malereien. generationen von klebebändern, klebstoff-resten, plakatresten, lichtverfärbungen ...

ein ungeheurer schatz an bildgeschichten, landschaften, tableaux von kühner schönheit, - schatz, den es nur zu heben gilt.

sofort bei der bearbeitung dann die idee, sie mit den gedichten der ingeborg bachmann zusammenzubringen -wie bereits bei den vermeintlichen twin towers.

ich lese die bachmann gedichte wieder und schaue und staune von neuem wie vor vielen jahren: welch umwerfende bilder, was für eine bilderflut. zudem schließt sich mit dem zyklus jetzt ein kreis, der vor über 30 jahren begonnen hat. eine meiner ersten bachmann lektüren: ihr gedicht: von einem land, dem fluss und den seen VIII: " zum fest sind alle seelen rein gewaschen". ich las damals aber: zum fest sind alle seen reingewaschen. das schien mir ein ungeheures bild. bevor ich jedoch den fehler bemerkte, hatte sich bereits der anfang eines eigenen gedichts "festtag" gebildet:

zum fest sind alle seen reingewaschen ... zum fest gebt ihr den fischen freien geleit ... zum fest will niemand ohne große augen gehn ...

beispiel, wie sich die kraft mancher bilder fortschreibt. beispiel aber auch, wie produktiv manche fehler sein können.

 



dienstag, 13.august 2019

augsburg rosenau. wieder neuland. der erste abweg führt mich zu einer wiese neben dem wertach fabrik kanal. dort ein kleiner baustellenwagen mit schönen dunklen zeichnungen. die arbeit mit a77+sigma ist dann auch eine ziemlich sportliche aktion, wenn ich mit man. fokus arbeite: es ist kaum möglich, das schwere objektiv mit freier hand bei 10x vergrößerung ruhig zu halten und scharf zu stellen, erst recht, wenn motiv und hintergrund so dunkel sind. trotzdem einige schöne bilder: titanic und terrains vagues. nur wenige meter entfernt das genaue gegenstück: das wasserwerk über den fabrikkanal im hellen morgensonnenlicht: schöne fensterformationen und formen elemente: beginn dieser serie.

höhepunkt dieser tour dann allerdings der lange und dunkle eisenbahntunnel, der zum hauptbahnhof führt und an den ich mich noch aus der kindheit erinnere. wieder wie ein gang in die unterwelt. die dunklen wände auf beiden seiten mit den verschiedensten wandmalereien und graffitys verschönt, in der mitte des tunnels ein paar meter breiter lichtspalt. ein höllischer lärm, erst recht, wenn motorräder oder die tram durchfahren. ich halte in der mitte im lichtspalt an, sehe gegenüber schöne mauer- und farbformationen. schwierig allerdings zu fotografieren, weil die radfahrer nur centimeter entfernt mit rasanter geschwindigkeit vorbeirasen. der gipfel allerdings in dieser mischung aus dunkel und licht, farbe und smog mit diesem höllischen lärm: aus den lautsprechern an der tunneldecke wagnermusik. es ist wie im besten surrealistischen film: rausch der sinne. und dann am ende, als ich bereits eine serie der mauerformen habe, der nette junge mann, der mit einem breiten lächeln ins bild tritt.



samstag, 10.aug. 2019

augsburg. wieder bei den graffitys bei boewe, aber diesmal mit dem klaren ziel: mauersprünge, farbkrater, farbschichten. arbeitstitel für die nächsten wochen: fotografische archäologie. titel, der sich bereist vor einigen wochen bei den bildern im sheridan park aufdrängte, als beim zweiten besuch die türen zur halle 116 aufgingen und sich damit tief gelegenen historische schichten eröffneten. titel, an den ich auch bei der arbeit im gaswerk dachte, und dann nochmal wenig später bei den graffitys im kulturpark west.