logbuch 2020

montag, 20.januar 2020

die zeilen "in diesen tagen schmerzt mich nicht, dass ich mich erinnern muss" kommen mir gerade in den sinn, als ich das starke rauschen, das sich manchmal zu regelrechten gewittern verdichtet, notieren will.

aber etwas anderes.

die fotocommunity verleiht mir eine kleines stundenbild. montag, 12.00 - 13.00. ein denkwürdiger augenblick.vielen danke, liebe fc.

aber montag ist für mich kein so guter tag. don´t like mondays!!!

ich finde die fc GUT! kontaktbörse, lieu de rencontre, flaniermeile. das alles ist sehr schön und ich habe viele/zu viele stunden in dieser begegnungs- und bilderstätte verbracht.

so viele menschen, alt/jung, dick/dünn, durch blicker oder blumenliebhaber, minimalisten und straßenkünstler ... all das kommt hier zusammen, kann sich und seine bilder zeigen, öffentlich, nicht nur omi und opi, oder der freundin oder im großen facebook. viele gleichgesinnte hier.

und das ist das problem. zu viele. es gibt/wir sind einfach zu viele. bildermeere. und schön wenn die bilder schwimmen, aber viele gehen auch unter.

das tut weh, das schmerzt, wenn man seine schäfchen so ertrinken sieht.  bei so vielen millionen bildern und fast so vielen kontakten bleibt einfach keine zeit mehr, die einzelnen zu würdigen. für die bilder wäre das verschmerzbar. für die, die sie machen, ist es aber schwer, wenn man ihnen diese würde, diesen augen blick der be-achtung nicht gibt/geben kann. dann auch keine zeit für wert, be-wert-ung, für wirklichen meinungsaustausch usw. und das finde ich nicht schön. aber das ist ja nicht euer fehler. ihr meint es gut.

sondern des systems. und da meint ihr es nicht so gut. mit diesen vielen wettbewerbsgeschichten. kleine und größere orden. editors choice stundenbilder... über die sich jeder mächtig freut. auch ich.

aber schluss damit. grazie mille. schön, dass es euch gibt.

aber noch lieber als in fc bin ich in fb!!!

und mit dem bild, das ihr ausgesucht habt, macht ihr mir eine große freude!

uni augsburg. nicht brecht-universität. ich bin auch nicht auf das brecht-, sondern auf das peutinger-gymnasium gegangen.

aber jetzt, mit der kamera, bin ich wieder dorthin zurückgekehrt. und die liebe uni hat mir viele tolle bilder geschenkt, z.b. das uni-blau-bild, aber v.a. die spuren an der cafeteria, die mir dann den ingeborg bachmann zyklus eröffnet haben. und auch den engel der geschichte.

 

satus blaubild: clicks 2267  comm. 6     likes    8 ersch. 6/11/19

status engel:      clicks 1222  comm. 4    likes   4 ersch. 20/08/19



sonntag, 19.januar 2020

miesbach. tipis und zeltgeschichten.

nachtlicht und glühwürmchen.

stille. auch das meer. nur ein paar stimmen. des mots fraternels.

fand in diesen tagen in einem der notizbücher, die seit jahren  irgendwo herumliegen und schon lange nicht mehr gebraucht wurden, ein stilles gedicht.

 

die stille ist hier stiller als sonst/ selbst die vögel im wald/ sind im gebet/ auch der see ruht/ und hört nicht auf die wolken/ nur das schilfgras flüstert/mit dem blattwerk in den bäumen

 

langsam komme ich in der stille an/ der große himmel ist mein tisch/aug in aug mit kassiopeia/ und dem polarstern/ meine zweifel hänge ich in die bäume

 

die erfahrungen mit fotografie. fotografie so:

fotocommunity. bildermeer. meere der eitelkeit: ausspucken, fressen, loben, werbekampagnen, fangnetze mit  20 loben auf einmal durchs ganze portfolio... und das alles für reaktionen wie: klasse. top. super schnitt. klasse minimalismus. damit ist schon alles gesagt. soll natürlich heißen: was sind wir für tolle hechte, die solche scharfen bilder machen.

natürlich sehe ich das bedürfnis nach applaus, den jeder braucht, lobesworte....   alles ok. aber wenn das alles ist???

 

fotografie anders.

die dialoge mit einigen bruder- und schwesteraugen, mit dL, seine bilder, die knallhart treffen, bilder, in denen leben steckt, auch viel tod, die ganze palette/polarität....

bilder als fenster/sprungbett/pool fürs nachdenken übers leben oder über diese ganzen wichtigen dinge. bilder, die diese dinge aufnehmen, reflektieren und nicht so tun, als gäbe es nix anders mehr.

und die bucht nebenan: so schöne bilder, so schöne gespräche... aber ist ja alles eines: schöne/lebensvolle bilder: schöne gespräche.

leere bilder:  minimalsimsus:   TOP.

ich liebe minimalistische bilder, aber solche bilder können mir gestohlen bleiben, erreichen mich nicht mehr, will ich keine zeit mehr mit vergeuden.

 

bilder, farben, aber solche farben:

 

Je vous connais couleurs des hommes et des femmes

Fleurs fraiches fruits pourris halos décomposés

...

Couleurs de la santé du désir de la peur...

 

der große eluard ist wieder da. war nie weg, auch wenn die ausgaben inzwischen etwas modrig riechen.

 

dialog lieber mit glühwürmchen. in der stillen nacht reden. lichtbilder anschaun. vorm tipi sitzen.

 

luccherino hieß der camping, montalcino in sichtweit. der campingmann dort ein feiner junger mensch. philosophie studiert. sprach deutsch, nahm uns mit zu seinem kumpel, der gutes olivenöl machte. um uns herum friends. der mann z.b. mit schöner frau aus düsseldorf mit neuem de waard zelt (wir hatten unser albatros erst ein paar jahre) gespräche über die vorteile von solchen zelten, wein, guter wein, viel wein. was für eine schöne erinnerung an luccherino. seither sehe ich glühwürmchen anders.

 

 


freitag, 17.januar 2020

miesbach. jumbo ist malad. wir können nicht nach augsburg. aber rührende nachbarschaftshilfe. von christian die kundenkarte für auto konrad. vielen dank dir, großer architekt und bos- schüler, der auch die vielen regale in der biliothek in der école des femmes gezimmert hat.

stadt shooting also fällt aus. macht nix.

morgenröte.

 

...-des reves se font jour qui sont beauté bonté

d´un coté de mon coeur la misère subsiste

de l´autre je vois clair j´espère je m´irise ...

 

(...ein traum bricht an den tag der glanz ist güte

auf der einen seite meines herzens nimmt das elend kein ende

auf der andern sehe ich klar, hoffe ich, durchdringt mich licht)

 

 

wer hätte gedacht, dass ich das nochmal erleben darf!?

lovers and friends. strandgut. flaschenpost. nicht nur der gute eluard, dessen buch sich wieder öffnet, auch etienne, glühwürmchen, flutlicht, leuchtturmlicht, ginsterlicht, freundliche stimmen aus bayrisch-zell, worpswede, köln, baden-baden, kiel, wien...

das große kunstpaket, das ich walter nach wien schickte, kam just an dem tag zurück, als ich ihm schrieb, warum keine nachrichten sendung von ihm und ob das kleine kunst präsent nicht gefallen. aber da war mein freund, der große wanderer in entlegenen regionen, auf dem weg vom donbas home.

die letzten tage nachtschicht. aber es hat sich gelohnt. paar flutlichter und damit die neue reihe aus der pädagogischen provinz. die ihren impuls eigentlich einem weiteren, belanglosen vorfall in der schule verdankt. noch ein letzter gruß von sl, diesem rattennest. das zweite flutlicht mit den zwei kopftüchern und meine selbstanzeige darunter als erste antwort. die briefe aus der pädagogischen provinz aber v.a. als hommage an die gute alte frauenschule: das schöne haus, die räume mit den von so vielen schülerschicksalen imprägnierten wänden, die vielen begegnungen, beziehungen mit schülern, gespräche über goethe, prometheus, kommafehler, die ganzen probleme der welt... das alles erfüllt mich mit großer dankbarkeit. und auch ein bisschen wehmut.

vorhin, als ich gerade die beiden letzten bilder in fc einstelle, flattert eine nachricht auf den bildschirm, dass neuer eintrag in der bucht nebenan. zu dereL. von ines. freundesauge, great heart gleich hier 20 km südost. die im herbst einmal einfach so sagte: lass uns was zusammen machen. im krankenhaus agatharied. aber da will ich nicht hin.

ich geh hier nicht weg.

 

 


samstag, 11. januar 2020

miesbach. bauarbeiten in der bucht.  friends´bay kam so überraschend und mit solcher wucht, dass ich selbst noch etwas benebelt bin. obwohl die idee, in der bilderbucht auch arbeiten anderer vorzustellen und zu versammeln, von anfang an mitgespielt hat. und ein bisschen nimmt das auch wieder den roten faden der liga anfang der 90er jahre mit claude jaté, daniel plaas, birgit angele und hagen klennert auf. ich hoffe, dass der friends´ bay ein etwas längeres leben als das der liga beschert sein wird. bisher ziemlich positive reaktionen auf meine anfragen. gestern abend noch die top ten meiner liste angeschrieben: volker, klaus, berutti ...

ein weiterer schöner fund. gestern in der frühe noch  im halbschlaf der gedanke, ein foto in twins manier zu machen und sein opening damit in der fc anzukündigen. im bad dann, als ich das fenster öffne, sehe ich die laterne gegenüber auf der straße und ganz hinten am bauernhof ein schwaches licht. die ersten paar bilder gehen völlig daneben. in dem moment aber, als ich die richtige iso und belichtung eingestellt habe und die kamera ausrichte, fährt am bauernhof der müllwagen der vivo ins bild. bremslichter, schlusslichter, ein schwacher komet, der von unten ins bild rauscht. einmal mehr, wenn ich es noch nicht wüsste, eine triumphale vorstellung von kalkül und zufall. und welch schöne begleitmusike für die feierliche eröffnung der neuen bucht!

zum feierlichen anlass auch etwas poesie. celan, matière de bretagne. und ich weiß nicht, warum mir in diesem moment und in dem zusammenhang gerade celan einfällt. vielleicht wegen dem ginsterlicht, dem blutsegel oder dem gegabelten weg. isolde am strand jedenfalls.

hier also again nach so vielen jahren:

Ginsterlicht, gelb, die Hänge

eitern gen Himmel, der Dorn

wirbt um die Wunde, es läutet

darin, es ist Abend, das Nichts

rollt seine Meere zur Andacht,

das Blutsegel hält auf dich zu.

 

 Trocken, verlandet

das Bett hinter dir, verschilft

seine Stunde, oben,

beim Stern, die milchigen

Priele schwatzen im Schlamm, Steindattel,

unten, gebuscht, klafft ins Gebläu, eine Staude

Vergänglichkeit, schön,

grüsst dein Gedächtnis.

 

 (Kanntet ihr mich,

Hände? Ich ging

den gegabelten Weg, den ihr weisst, mein Mund

spie seinen Schotter, ich ging, meine Zeit,

wandernde Wächte, warf ihren Schatten -- kanntet ihr mich?)

 

 Hände, die dorn-

umworbene Wunde, es läutet,

Hände, das Nichts, seine Meere,

Hände, im Ginsterlicht, das

Blutsegel

hält auf dich zu.

 

 Du

du lehrst

du lehrst deine Hände

du lehrst deine Hände du lehrst

du lehrst deine Hände

          schlafen.

 

einmal mehr symptomatisch dann, als ich das pseudo-twin-bild am abend in der fc einstelle, mit kleinem text, der auf sinn und zweck der bucht verweist: schnell tausend klicks, aber bis auf die gute christina keine einzige reaktion.  tant pis. gerade deshalb friends´ bay!

werde dereLs beitrag früher als geplant einstellen. gleichsam als zusätzliche schubkraft. bin auch nicht sicher, ob ich mich an den geplanten 2-wochen- turnus halten werde.

 



mittwoch, 08.jan. 2020

miesbach. zurück im brutkasten. sehr froh um die augsburger tage, die produktiv waren und auch einiges geklärt haben. auch wie die arbeit weitergehen soll. wenn ich der spur der bilder folge, dann ist es ein bogen von ikea zu xxxl lutz. tutto ikea - tutto lutz; tutto gratuito. dort am samstag in dem karossenmeer herumgeschlichen. der riesige parkplatz voll. klar, weil schwarzer samstag, rabatt riesen! es dauert wieder eine zeitlang, ein paar bilder, bis es klick macht, und ich plötzlich merke, worauf das ganze hinausläuft/laufen könnte. dabei hatte ich die idee mit den automeeren schon vor langer zeit, damals nach blauweissrot.  jetzt nähere ich mich langsam an, und im hintergrund schwebt ein bild, das ich neulich bei sguidos sah, eine plastik, in der aus zwei gegenüberliegenden wänden arme herauskommen, die sich die hände reichen. bild, das mich an ein fast vergessenenes, aber damals eines meiner lieblingsbilder von max ernst erinnerte: si tous les hommes se donnaient la main: eine endlose reine von ineinander verschlungenen händen. an diese bilder denke ich in dem augenblick und was mir vorschwebt, ist eine unendliche reihe von diesen hochglanzpolierten autoschnauzen oder heckspoilern ... ich merke allerdings, dass ich mit dem großen tele arbeiten müsste, um das so richtig realisieren zu können. aber im nachhinein sind es ganz ordentliche erste bilder und eine neue reihe zeichnet sich ab. ästhetik des widerstands fällt mir ein, was wir lieben. ästhetik des widerstands wäre schön, ist aber doch etwas hoch gegriffen. stattdessen: ästhetik der wa/h/ren welt.



samstag, 04.januar 2020

augsburg. kleiner rückblick. symptomatische geschichte. das bild, mit dem ich fotografisch das jahr beginne und das für mich eines der interessantesten der letzten zeit ist, ein bild, das wie eine programmschrift daherkommt: in der fc geht es völlig unter. selbst die wohlmeinenden (volker, berutti, twin...) übersehen es vollkommen. epifania. dabei hatte ich gedacht, dass es uns die augen öffnen würde. zum glück um den jahreswechsel einige  viel vesprechende neue kontakte: wolfman, pelue, dereL.

das neue jahr beginnt furios. flucht nach augsburg. stürze mich in die produktion. weiß allerdings nicht, wo anfangen. ich erinnere mich an ein ikea-bild von lunor. also zu ikea. umso mehr, als es ein leuchtender tag ist, tolles licht. wie so oft, die ersten bilder völlig belanglos- scheinbar braucht auch das auge zeit zum aufwärmen. timing gut "gewählt", weil alles menschenleer.

als ich bereits ein zeitlang arbeite, kommen zwei leute auf dem rad. was ich hier mache usw. der übliche ablauf: zuerst misstrauisch, wenn sie merken, dass ich, der eindringling, keine gefahr darstelle, weil nur an ein paar harmlosen fotos interessiert, ändert sich der ton: freundlich, entgegenkommend... dann noch einen schönen tag.

mache ein paar wischbilder. aber je länger ich arbeite, desto reduzierter werden die bilder. gut so.

von ikea ins zentrum. bleibe bereits in der annastraße an einem verteiler hängen. sehr viel farbe diesmal, schöne farben, malereien wie frisch aus dem atelier. wieder glück, weil nur wenig passanten unterwegs und ich in ruhe arbeiten kann. einmal mehr ein "wunderhorn".

dann wieder zu dem verteiler in der katharinengasse, wo ich im november die ersten urbanen erzählungen gemacht habe. entdecke wieder ein paar neue motive. wie klaus rex in der fc eines der bilder kommentiert: es sind immer wieder neue geschichten.